T2a
Diskurs zwischen Roman Banerjee, Künstler
und dem Kunstkritiker Klaus Honnef


Roman Banerjee: Kunst als Schöpfung und Ware zwischen innerer Tiefe und Kommunikation
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Im Unterschied zu den 70er und 80er Jahren, wo Demokratie und künstlerische Vielfalt aus der 68er Bewegung heraus noch positiv besetzt waren und unter diesem öffentlichen Druck das Selbstverständnis der Messeorganisatoren repräsentative Querschnitte der Galerielandschaften hervorbrachte, sind Kunstmessen heute vollkommen unverhohlen – also nur unter dem Vorwand der Qualität – Instrumente eines Klüngels. Einer in sich selber konkurrierenden Seilschaft, die äußere Konkurrenz auszugrenzen sucht, indem diese einfach nicht auf der Messe zugelassen wird. Selber sucht dieser erlauchte Kreis dann sich als sogenannte Elite, den Gutbetuchten anzuempfehlen. So gab es bspw. beginnend mit der Maueröffnung bis weit über die Jahrtausendwende hinaus eine unausgesprochene Regel des Kölner Kunstklüngels, die dafür sorgte, dass Berliner Künstler und Galeristen keinen Fuß auf den Boden bekommen sollten. Zum einen wurde den in Berlin alteingesessenen Galerien jeglicher Zugang zu Messeaktivitäten sowohl im Kölner Raum, als auch auf der von der Kölner Lobby im Berlin der Nach-Maueröffnung

 

initiierten Kunstmesse ARTFORUM kategorisch verwehrt. Zum anderen wurde aus Berlin stammenden Künstlern dieser Generation systematisch jede Aufstiegs- und Ausstellungsmöglichkeit in bedeutenderen Institutionen verstellt. Die Kölner Kunstmarktlobby setzte so mit restriktiven Ausgrenzungsmechanismen auch in Berlin den Qualitätsbegriff der Postmoderne durch.Dieser besagt nämlich, Qualität definiere sich allein durch den Konsens im Kommunikationsprozess. Um die ideologische Dimension dieser Schlacht am Büffet des Kunstmarktes vollständig zu erfassen, muss man sich Folgendes klar machen: Das Berlin der späten 70er Jahre repräsentierte als Hochburg der existentialistisch-gestischen Malerei (Junge Wilde) damals noch den Qualitätsbegriff der Moderne, nach der künstlerische Qualität einzig durch eine existentielle Auseinandersetzung (also ehrlichem Streben nach Wahrheit) hervorgebracht werden kann - und des Weiteren, dass es letztendlich ausschließlich jener existenziellen künstlerischen Qualität bedarf, um sich im Markt durchzusetzen. Es dominierte sogar die romantisch-naive Vorstellung, der Kunstmarkt würde ohne diese existenzielle Auseinandersetzung in der Kunst nicht auskommen.